Lerntipps DaZ - Deutsch als Zweitsprache

Unterstützen Sie Ihr Kind beim Deutsch lernen

Liebe zwei- oder mehrsprachige Eltern,

wenn Sie diesen Text lesen können und ihn verstehen, sind Sie die besten Deutschlehrer, die sich ihr
Kind wünschen kann. 

(wenn Sie diesen Text zwar lesen können, ihn aber nicht verstehen, geht es Ihnen wie einem grossen Teil der fremdsprachigen Kinder in der Schule. Versuchen Sie so schnell wie möglich grosse und kleine deutschsprechende Freunde für Ihr Kind zu finden.) 

Sie kennen den Wortschatz Ihres Kindes in der Erstsprache, Ihr Kind hat eine enge Bindung zu Ihnen, es liebt und bewundert Sie, es möchte gerne so sein wie Sie und es gibt nicht Schöneres für Ihr Kind, als mit Ihnen zu spielen. 

Nutzen Sie diese Chance und unterstützen Sie Ihr Kind beim Deutsch lernen, denn nur mit guten 
Deutschkenntnissen, wird Ihre Kind die Schule mit Freude besuchen und mit Erfolg abschliessen. 

Gerne möchte ich Ihnen im Folgenden aufzeigen, wie Sie ihrem Kind am besten helfen können und was auf Ihr Kind zu kommen wird. 

Sprache lernen

Damit ein Kind ein neues Wort lernen kann, muss es dieses Wort viele, viele Male in einem klaren Zusammenhang hören, damit es eine Verknüpfung zwischen dem Gegenstand, der Handlung, dem Bild und dem Wort herstellen kann. Gibt es im Umfeld des Kindes viele Hunde und es hört immer wieder das Wort Hund, wird es am Anfang seines Lernprozesses vielleicht alle Tiere (Lebewesen mit vier Beinen) als Hund bezeichnen, nur langsam wird es entdecken, dass es verschiedene "Hunde", wie etwa Katzen, Pferde und Kühe gibt. 

Zweisprachige Erziehung

Je früher Sie mit Ihrem Kind Deutsch sprechen, desto einfacher lernt es ihr Kind. Wenn Ihr Kind in einem deutschsprachigen Land zur Schule gehen wird, sollte die Sprache, die es am häufigsten hört, Deutsch sein. Experten empfehlen mindesten 30 Stunden im persönlichen Gespräch, das Kind sollte sich mit jemandem mündlich austauschen können, Fragen stellen und Antworten bekommen. 
30 Stunden vor dem TV oder dem Smartphone mit deutschen Inhalten reichen nicht aus. Deutsch sollte die Hauptsprache sein, denn Lehrer beurteilen die Deutschkenntnisse und verteilen dafür Noten, die später die Berufswahl entscheidend beeinflussen können, Grosseltern und Verwandte tun dies in der Regel nicht. 

Kennt ihr Kind schon einige Begriffe in seiner Erstsprache (Muttersprache), fällt es ihm leichter eine Verbindung zum deutschen Wort herzustellen, am allerbesten klappt es natürlich, wenn dies im Spiel geschieht. Kinder werden nicht gerne abgefragt.  


So könnten Sie vorgehen:


Erklären Sie ihrem Kind, dass seine Plüsch- oder Schleichtiere nur Deutsch sprechen und stellen Sie ihm die Tiere im Spiel zuerst in Ihrer Erstprache vor. "Look this is a dog!" ("Schau das ist ein Hund!") "You know, in German they don't say the dog - they say der Hund." ("Weisst auf Deutsch sagen sie nicht the dog - sie sagen, der Hund.") "Say hello dog, say hallo Hund." ("Sag hello dog, sag hallo Hund.") 
Schritt für Schritt können Sie so mit dem Kind einen grossen Wortschatz erarbeiten, in dem Sie ihm
täglich ein neues Tier auf Deutsch vorstellen, ihren Begrüssungssatz ausbauen, indem sie den Hund nach seinem Namen und seinem Alter fragen. Sie können Ihr Kind ermuntern seinem Lieblingstier von seinen Erlebnissen zu erzählen oder mit ihm ein deutschsprachiges Buch zu lesen. Damit die Wörter im Alltag nicht wieder vergessen gehen, ist es wichtig, die deutschen Wörter täglich zu benutzen und immer, immer wieder zu wiederholen.

Achtung! Ihr Kind wird nicht erfreut sein, wenn Sie plötzlich Deutsch mit ihm sprechen und es nicht mehr versteht, was Sie sagen. Ihnen würde es gleich ergehen. Deshalb bereiten Sie Ihr Kind langsam darauf vor, der Trick mit den "fremdsprachigen" Tieren oder Puppen passt gut in die magische Welt der Kinder. 

Ab dem dritten bis zum fünften, manchmal auch bis zum sechsten Lebensjahr befinden sich die Kinder in einer magischen Phase, die ihr Denken und Handeln beeinflusst. 

In dieser Zet ist fast alles möglich, die Kinder personifizieren alles und halten alles für real:

Wolken regnen, weil sie traurig sind. 
Der Ball liegt unter der Kommode, weil er schlafen will. 
Die Tiere, die Puppen wurden in der Schweiz gekauft, sie sprechen deshalb nur Deutsch. 

Versuchen Sie dem Kind die Nomen (Hauptwörter) immer mit dem Begleiter, der, die oder das zu nennen. Die Begleiter bereiten meinen Schulkinder immer am meisten Sorgen, da man sie nicht ableiten kann. 

Alltag

Die deutsch sprechende Puppe kann Ihr Kind auch im Alltag begleiten. Fragen Sie die Puppe, wie die verschiedenen Gegenstände im Haushalt, die Möbel, das Geschirr, die Kleider, die Werkzeuge heissen. Oder drehen Sie den Spiess um, lernen Sie der Puppe gemeinsam mit ihrem Kind die Begriffe in Ihrer Erstsprache. 

Achten Sie auch darauf, alle Gegenständ immer genau zu benennen: 

Statt: "Zieh dich an." 

"Zieh die Schuhe an." - "Mach die Jacke zu." - Setz die Mütze auf." 

"Es ist Zeit ins Bett zu gehen, zieh dein Pyjama an."

Statt: "Setzt dich." 

"Setzt dich auf den Stuhl." 

Versuchen Sie nach Möglichkeit den Gegenstand genau zu bezeichnen und das passende Verb zu nennen. 

Statt: "Ich lese dir eine Geschichte vor."

"Das ist ein Buch. Im Buch steht eine Geschichte. Ich lese dir die Geschichte vor."

Statt: "Willst du schneiden?" - "Willst du malen?"

"Willst du eine Schere zum Schneiden?" 
"Willst du mit den Farbstiften oder den Filzstiften malen?"


Sprechen Sie in ganzen Sätzen und bauen Sie in diese möglichst viele verschiedene Verben ein, sprechen Sie viel und oft mit Ihrem Kind. 


Je öfter Ihr Kind mit deutschsprachigen Kinder oder Erwachsenen spielen kann, desto schneller wird es Deutsch lernen. Bitte beachten Sie: kein Kind möchte eine Sprache lernen, jedes Kind möchte spielen, durch das Spiel lernt es eine Sprache am besten. Findet es Kinder, mit denen es in seiner Erstsprache spielen kann, wird die deutsche Sprache in den Hintergrund gedrängt. 

Grundwortschatz 1. und 2. Klasse 

Im Jahr 2000 erarbeiteten Lehrkräfte an der Primarschule einen Leitfaden "Grundwortschatz - Deutsch als Zweitsprache" für die 1. und 2. Primarklasse, als Orientierungshilfe für den Unterricht. 
Er umfasst ca. 500 Wörter (Nomen, Verben, Adjektive, Adverbien und Redemittel), die ausreichen sollten, um dem Unterricht in den ersten zwei Schuljahren folgen zu können. 

Mit diesem Link können Sie einen Blick auf den Grundwortschatz werfen.

Gerne geben ich Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Themenbereiche und die Anzahl der geforderten Wörter. In unser Spielgruppe erarbeiten wir mit den Kindern einen Teil dieses Grund-wortschatzes, im DaZ-Unterricht für Kindergartenkinder ergänze ich den Anfangswortschatz und versuche den Kindern erste Redemittel zu vermitteln.

Zu jedem Thema habe ich auf YouTube eine Playlist erstellt, diese Videos können auch Ihrem Kind helfen kann, einen Teil des erforderlichen Wortschatzes zu lernen.

- Tiere: 25 Wörter (davon sind 12 Wörter auf  YouTube
- Nahrung: 33 Wörter (12 auf YouTube)
- Körper und Gesundheit: 35 Wörter (12 auf YouTube)
- Kleider: 28 Wörter  (12  YouTube)
- Farben: 6 Wörter (8 auf YouTube)
- Wohnen: 37 Wörter (ein grosser Teil ist auf YouTube)
- Schule: 58 Wörter (ist beim Thema Mein Zuhause auf YouTube integriert)
- Tagesablauf: 36 Wörter (auf YouTube decke ich mehr als die geforderten Wörter ab)

Bis zum Eintritt in die erste Klasse sollte Ihr Kind auch die Mengenbegriffe von 1 - 20 erarbeitet haben und ohne Hilfe von 1 bis 20 zählen können. 

In der Erstsprache verfügen die meisten Kinder mit sechs Jahren über einen Gebrauchswortschatz (Wörter, die sie in ihrem Alltag verwenden) von etwa 5'000 Wörter und über einen Verstehenswort-schatz (Wörter, die es selbst nicht gebraucht, aber versteht) von etwa 16'000 Wörtern. Während der ersten Schuljahre erweitert sich dieser Wortschatz jährlich um etwa 3'000 Wörter. 

Die Schulbücher mit denen Ihre Kind lernen wird, gehen von diesen Zahlen aus, deshalb ist es so unendlich wichtig, dass Sie Ihrem Kind so früh wie möglich helfen, einen grossen Wortschatz aufzubauen, sowohl in der Erst- wie auch in der Zweitsprache. 

In der ersten Klasse wird ihr Kind, je nach Lehrmittel, eventuell mit folgenden Sätzen konfrontiert werden: 

"Dort, wo die Nebel aus dem Wasser steigen, wo in der Dämmerung sich Feen und Elfen zeigen, wo 
klares Wasser aus den Quellen springt, der TOBI-Opa zur Gitarre singt."
"Er steuert das Floss, bald verschwindet es in der Ferne. Opa winkt mit dem Zylinder."


In der zweiten Klasse sammeln die Kinder Wörter, die Gefühle ausdrücken, wie: entrüstet, erleichtert, erstaunt, enttäuscht, ... (die ganze Palette finden Sie auf YouTube). Sie lernen Nomen, Verben und Adjektive kennen. 

In der dritten Klasse befassen sich die Kinder mit den Werken von Astrid Lindgren und stossen auf Texte wie diesen: 

Eines Tages taucht Eva-Lottes entfernter Verwandter Onkel Einar unangemeldet auf. Er will ein paar Tage bei Eva-Lottes Familie übernachten. Kalle findet ihn sehr verdächtig und beobachtet ihn genau.

Sie lernen die verschiedenen Zeitformen der Verben zu bilden, wie das Perfekt und das Präteritum. Viele Kinder haben grosse Mühe mit dem Präteritum, da es in der gesprochenen Sprache fast nie vorkommt, das Schweizerdeutsch kennt diese Form gar nicht. 

In der dritten Klasse werden auch vermehrt Textaufgaben auf Ihr Kind zukommen, die es nur lösen kann, wenn es den Text versteht. 

Deshalb nochmals meine Bitte an Sie: Sprechen Sie viel und oft Deutsch mit Ihrem Kind, lesen Sie ihm, wenn möglich täglich vor und suchen Sie Kontakt zu deutschsprechenden Familien. Ihr Kind wird es Ihnen mit einer glücklichen und erfolgreichen Schulkarriere danken. 










Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen