alltagsintegrierte Sprachförderung

Alltagsintegrierte Sprachförderung


Alles, was wir ausserhalb unserer zwei kurzen Sprachförderspiele tun und vor allem was wir sagen, ist alltagsintegrierte Sprachförderung. Wir nutzen die Alltagssituationen ganz selbstverständlich als Sprachförderanlässe und versuchen den Kindern ganz viele Alltagsfloskeln näher zu bringen.

In den ersten paar Wochen, viele unserer Kinder kommen bei uns zum ersten Mal mit der deutschen Sprache in Kontakt, nehmen wir die Kinder nach dem Malen an der Hand, führen sie zum Lavabo und erklären ihnen: „So, jetzt waschen wir die Hände.“ Wir drehen den Wasserhahn auf, nehmen die Seife, benennen sie, zeigen ihnen, wie wir die Hände waschen, lassen die Kinder die Hände waschen, kommentieren alle Handlungen und trocknen schliesslich gemeinsam die Hände ab. „Jetzt sind deine Hände wieder sauber!“ Schon wenige Wochen später können wir die Kinder nach dem Malen anweisen: „Geh jetzt deine Hände waschen!“ und die Kinder wissen, was zu tun ist.


Znüni

Wenn ich beim Znüni/Zvieri die Trinkbecher verteile, frage ich jedes Mal jedes Kind
„Welchen Becher möchtest du? Welche Farbe?“ Nach gut zehn Wochen kennen die Kinder unsere drei Becherfarben und können sie auch selbst benennen. Einige haben auch schon entdeckt, dass andere Farben im Kasten stehen, sie verlangen gezielt nach diesen Farben und erleben so, dass sie mit ihrer Sprache etwas bewirken können. Etwa alle 3 bis 4 Wochen ergänzen wir unser Standard-Znüni-Angebot durch ein neues Lebensmittel, die Kinder dürfen dieses probieren und wenn es ihnen schmeckt, Nachschub bestellen. So erfahren die Kinder am eigenen Leib, dass sie sich mit ihrer Sprache einen persönlichen Nutzen und Vorteile verschaffen können, ein weiterer Anreiz die neue Sprache zu lernen.

Rahmenangebote


Unsere Rahmenangebote am grossen Tisch, unserem Entdeckertisch beinhalten immer in irgendeiner Form unser Sprachthema: Eine passende Malvorlage, grosse und kleine Kugeln, Körperteile eines Hampelmannes, Früchte zum Aufkleben, rote, gelbe, blaue Mosaiksteine etc. So können wir die neuen Wörter des Sprachthemas auch am Entdeckertisch immer wieder einfliessen lassen. „Wo ist der Kopf vom Hund? Schau, da sind seine Füsse, jetzt müssen wir noch den Kopf finden. – Weisst du noch in welchen Korb der Apfel gehört?“


Murmelbild in der Dose


Die Einführungen zu den einzelnen Angeboten sind wunderbare Sprachförderanlässe, hier können wir unsere Handlungen, die Werkzeuge und das benutzte Material ganz genau beschreiben.

So zeige ich das Angebot „Murmelbild in der Dose“ den Kindern Schritt für Schritt:


Murmelbild in der Dose


1. Ich nehme das erste Schälchen mit einer Murmel und bewege das Schälchen langsam
    im Kreis, so dass sich die Murmel in der Farbe dreht.

2. Nun nehme ich mit einem Löffel die Murmel aus dem Schälchen und lege sie        
    auf das Papier in der Dose.
    
3. Ich wiederhole Schritt 1 und 2 mit den übrigen Farben.

4. Ich nehme den Deckel und mache die Dose zu. Nun bewege ich die Dose nach        
    vor und zurück, nach links und nach rechts, ich schüttle sie.

5. Ich öffne die Dose und bewundere mein Bild.

6. Mit dem Löffel nehme ich die Murmeln  aus der Dose und lege sie in die Farbe            
    zurück.

Nach meiner Darbietung, begleite ich das Kind bei seinem ersten Werk. Ich kommentiere seine Handlungen: „Jawohl, die Murmel in der Farbe drehen, schön drehen. Achtung! Nicht ausleeren, ja, noch ein bisschen drehen. Genau, jetzt stellst du das Schälchen wieder hin und nimmst den Löffel. Nimm nur den Löffel, die Finger brauchst du nicht, super! Leg die Murmel in die Dose. …“   

Die Kinder lieben dieses Tablett und kommen immer wieder hierher zurück und so hören sie die neuen Wörter mehrmals, die Handlungen werden kommentiert, oft wiederholt und prägen sich so besser ein.

Wir nutzen auch unsere Rituale, Verse und Lieder für die alltagsintegrierte Sprachförderung, durch die Wiederholungen prägen sich den Kindern viele Sprachfloskeln ein.                      

Explizite Sprachförderung


Die Sprachwerkstatt richtet ihr Augenmerk jeweils auf ein bestimmtes Thema der deutschen Sprache. Wir starten mit dem Sprachrhythmus, lernen einzelne Laute kennen, befassen uns mi Mehrzahl-formen und geben den Kindern so ein gutes Gerüst für den Aufbau der deutschen Sprache mit.

Unsere Sprachspiele orientieren sich weitgehend an den Sprachprofilen, die in den Jahren 2003 bis 2007 im Auftrag des Erziehungsdepartements Basel-Stadt vom IIK (Institut für interkulturelle Kommunikation, Zürich) in Zusammenarbeit mit Lehrpersonen aller Stufen entwickelt wurden. Die Sprachprofile beschreiben die zentralen sprachlichen Kompetenzen, die auf den vier verschiedenen Schulstufen ausschlaggebend sind für Schulerfolg und sie dienen als Unterrichtsplanungs-instrumente.

Das Sprachprofil I – Kindergarten enthält folgende Empfehlungen, die wir etwas angepasst in unsere Sprachwerkstatt aufgenommen haben:

1.       Interaktion mündlich: Verstehen und sprechen von einfachen Dialogen
          Kurzes Gespräch, über Wünsche und Ideen sprechen, Gesprächsregeln kennen und
          einhalten, einfache Alltagssituationen bewältigen (begrüssen, verabschieden, Namen          
          nennen)

2.       Interaktion schriftlich: Gedanken und Ideen in Bildern festhalten
          Erste Kritzelbriefe „schreiben“, Interesse am eigenen Namen, an Buchstaben
          entwickeln, Vorleser spielen

3.       Rezeption (aufnehmen, verstehen) mündlich: Verstehen kurzer Hörtexte
          Für begrenzte Zeit aufmerksam zuhören, Handlungsablauf einer kurzen Geschichte
          verstehen, kurze Anweisungen verstehen und befolgen

4.       Rezeption schriftlich: Umgang mit Bilderbüchern erlernen
          Richtiges Halten von Bilderbüchern, Bildergeschichte „als ob Lesen“ nacherzählen,
          Unterschiede zwischen Zahlen und Buchstaben kennen lernen, erste Erfahrungen
          mit Buchstaben (aus Knet formen, Sandpapier-Buchstaben)
  
5.       Produktion mündlich: kurzes, zusammenhängendes Sprechen
          Worte und kurze Sätze nachsprechen,Verse gemeinsam auswendig aufsagen, Lieder          
           mitsingen, Gestik und Mimik kennenlernen, Gegenstände und einfache Sachverhalte
          aus dem Alltag benennen, kurze Szenen aus einer Geschichte nachspielen

6.       Produktion schriftlich: erste Zeichen- und Schreibversuche
          Den Stift im Dreipunktegriff halten, Hand- und Fingerkraft dosieren, Formen und
          Zeichen nachfahren, anmalen, Bewegung beider Hände unabhängig voneinander
          koordinieren

7.       Reflexion über Sprache: Wortbildung und Strukturen
          Unterschiedliche Gesprächssituationen entdecken (schimpfen, loben, fragen,
          antworten), unterschiedliche Sprechweisen unterscheiden (leise, laut), über Familie
          sprechen, Silben klatschen, Reime kennenlernen, erste Vergleiche anstellen 
          (gross und klein), Gegenstände oder Bilder sortieren

Die kompletten Sprachprofile für den Kindergarten und die Schule sind auf der Seite des IIK als pdf vorhanden.

Unsere Sprachspiele behandeln während sechs bis acht Wochen ein bestimmtes Thema aus der Kinderwelt (Tiere, Essen, Körper, Kleider, Farben, etc.), wir bauen den entsprechenden Wortschatz auf und führen Satzbausteine ein: „Wie heisst du? Wer möchte den Apfel essen?“ Die Kinder versuchen diese offenen Fragen selbständig zu beantworten; wir können abwägen, ob die Kinder, die Wörter und Sätze schon verinnerlicht haben oder ob sie noch etwas Übung brauchen. Kinder, die noch Mühe bekunden, versuchen wir am Spieltisch in der kleinen Gruppe mit den Sätzen und Wörtern vertraut zu machen.

Durch das entsprechende Rahmenprogramm, passende Bücher, Geschichten und Verse festigen wir die neuen Wörter und Sätze.


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